Sandra Bullock und die Fettleibigkeit
11. März 2010
Fettleibigkeit war dieses Jahr bei der Oskar-Verleihung ein raumgreifendes Thema. Auf dem roten Teppich der Eitelkeiten gab es neben den vielen Schönheitsköniginnen auch einige Schwergewichte zu sehen. Die alles andere als schlanke Mo’Nique wurde dann gar als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Vor allem aber haben sich zwei vielfach für den Oskar nominierte Filme mit dem Thema der Fettleibigkeit auseinandergesetzt. Einmal „Blind Side“ und einmal „Precious“. In beiden Filmen steht ein schwarzer, mehr als übergewichtiger Teenager im Mittelpunkt. In der süßlichen „American Dream“-Schnulze „Blind Side“ schafft es der so gutmütige wie fettleibige „Big Mike“ dank der unendlichen Güte seiner weißen Pflegemutter Sandra Bullock vom familienlosen schwarzen Problemkind bis zum erfolgreichen NFL-Footballstar. Im bittertraurigen Sozialdrama „Precious“ ist die junge Schwarze Claireece so übergewichtig, dass ihre Schwangerschaft den wenigsten auffällt.
Die Oskar-Verleihung widerspiegelt ein in den USA immer schwerer wiegendes Problem. In keinem anderen Land trifft man auf so viele so übergewichtige Menschen. Fettleibigkeit gilt in den USA mittlerweile als ein riesengroßes Gesundheitsrisiko mit gigantischen medizinischen Folgekosten, die sich in Form von Diabetes, Herz- und Kreislaufprobleme sowie übermäßigen Belastungen von Knochen und Gelenken bemerkbar machen werden.
Wer nun jedoch, von „Blind Side“ und „Precious“ beeindruckt, meint, Fettleibigkeit sei nur ein Problem schwarzer Teenager, irrt. Fettleibigkeit ist nicht eine Frage der Hautfarbe, sondern der Schichtenzugehörigkeit. Das gilt übrigens nicht nur für die USA. Es gilt auch für Deutschland. Wer wenig Geld oder sogar Schulden hat, oder wer schlecht gebildet ist, hat ein weitaus höheres Risiko, übergewichtig zu werden als der Bevölkerungsdurchschnitt. Wem es wirtschaftlich schlecht geht, will vor allem billig und nahrhaft essen. Ob das Essen auch gesund, ausgewogen und leicht ist, bleibt da nebensächlich. Vor allem bei Jugendlichen fehlt das Wissen, dass sich preisgünstig und gesund nicht widersprechen müssen. Zu rasch wird zu scheinbar billigem Fast Food, zu Süßigkeiten oder fettigen Snacks statt Früchten oder Gemüse gegriffen. Zu oft spielt auch das „Trost-Essen“ eine verführerische Rolle.
Das soll nun alles ändern und besser werden. Ab dem 26. März wird der grassierenden Fettleibigkeit der Kampf angesagt. Der britische Starkoch Jamie Oliver geht mit einer brandneuen Fernsehserie „Food Revolution“ jeden Freitagabend zur Prime Time auf dem Kanal abc auf Sendung (http://abc.go.com/shows/jamie-olivers-food-revolution/about-the-show). Er will nichts weniger als Amerikas Esskultur verändern. Man kann ihm nur viel Erfolg wünschen.
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- 3 Kommentare
Lieber Thomas Straubhaar,
herzliche Grüße in die USA; es geht Dir offensichtlich gut und der Aufenthalt ist interessant.
Zum Zusammenhang von Fettleibigkeit und Schicht eine kleine Anmerkung: Obwohl alle Studien diesen Zusammenhang bestätigen, gibt es ein irritierendes Ergebnis dazu in Deutschland. Adipositas bei Migrantenkindern türkischer Herkunft hängt nicht mit deren sozio-ökonomischen Status zusammen; es gibt sie sowohl bei den armen wie bei den wohlhabenderen Familien. Mir fällt keine Erklärung ein, denn traditionelle türkische Kost ist sehr gesund.
Mit allen guten Wünschen für die weitere Zeit in Washington und manch gesundes und leckeres us-amerikanisches Essen,
wünscht Ursula Neumann
Auch wenn die Adaption zugegebenermaßen etwas schnulzig daherkommt, erzählt “The Blind Side” übrigens die wahre Geschichte von NFL-Star Michael Oher nach (siehe auch http://www.nytimes.com/2006/09/24/magazine/24football.html). Fettleibigkeit spielt dort allerdings höchstens eine Nebenrolle.
“Das gilt übrigens nicht nur für die USA” – du hast hier nen kleinen fehler