Hamburger Abendblatt

Von Washington in die Unsterblichkeit und zurück

29. Juli 2010

Bekanntlich kam Christus nur bis Eboli. So mindestens sah es Francesco Rosi in seinem tief traurigen aber vielfach ausgezeichneten Film über ein süditalienisches Dorf, das von der Geschichte der menschlichen Zivilisationsentwicklung irgendwie vergessen wurde. Da hat es Jim Morrison weiter gebracht. Viel weiter. Sogar mit Porträt und Namensnennung auf eine Briefmarke der Deutschen Bundespost. Eine exklusive Ehre, die in der deutschen Postgeschichte sonst kaum bis nie einem Zeitgenossen widerfahren ist.

Das hätte dem scheuen Musiker zunächst niemand zugetraut. Dabei hatte er einen ganz engen Bezug zu George Washington. Er besuchte nämlich die nach dem ersten US-Präsidenten benannte High School in Alexandria, dem südlichen Vorort der heutigen Bundeshauptstadt. Erst nach Irrungen und Wirrungen, einem Hochschulabschluss an der renommierten University of California in Los Angeles (UCLA) und existenziellen Geldnöten wurde Jim Morrison dann Frontmann, Liedermacher und Texter der Gruppe „The Doors“.

Seine dem Zeitgeist zunächst widersprechenden und später ihn neu prägenden Songs haben Generationen von jungen Menschen weltweit in Bann gezogen. Nicht nur in USA. Kein Wunder ist aus dem Rebellen von einst heute auch in Washington eine Kultfigur geworden. Mindestens für die Nach-68er. Und die sitzen jetzt immerhin an den Hebeln der Macht in Amerika.